2016-11-13T09:58:18+00:00

Abklärung

Sterilität ist grundsätzlich immer ein Problem des Paares; die Zeiten, als unerfüllter Kinderwunsch automatisch den Frauen angelastet wurde, sind Gott sei Dank vorbei. Die Sterilitätsabklärung folgt einfachen Regeln und beginnt immer mit einem ausführlichen Gespräch mit beiden Partnern. Die Ursache der Sterilität liegt rund in einem Drittel der Fälle bei der Frau, in einem Drittel beim Mann und in einem Drittel bei beiden Partnern. Häufig werde ich gefragt, ob der unerfüllte Kinderwunsch psychische Ursachen hätte; was allerdings sehr selten vorkommt.

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Zuerst müssen folgende drei Fragen beantwortet werden:

•    Findet regelmässig ein Eisprung statt?

•    Ist der Samen des Partners in Ordnung?

•    Sind die Eileiter durchgängig?

 

 

Frauen mit regelmässigen Zyklen von 25-30 Tagen haben in der Regel einen Eisprung. Zur Kontrolle des Zyklus bestimmen wir am 3. oder 4. Zyklustag (1. Zyklustag = Tag, an welchem die Menstruation voll eingesetzt hat) einige Hormone im Blut. Dann kommen Sie am 12. oder 13. Zyklustag für eine Ultraschalluntersuchung in die Ordination oder Klinik, welche an einem der Eierstöcke ein reifes Eibläschen (Follikel) zeigen sollte. Die Messung der Temperaturkurve ist höchstens für 1-2 Monate interessant; zur Abklärung des Eisprungs stehen präzisere Methoden zur Verfügung, und die Temperaturmessungen belasten erfahrungsgemäss die Lebensqualität der Frau. Statt der Temperaturmessung können beispielsweise 5-8 Tage nach dem Eisprung das Gelbkörperhormon (Progesteron) im Blut bestimmt werden.

Der Samen des Partners wird ebefalls im Labor des Kinderwunschinstituts Prof. Dr. Tews untersucht (Spermiogramm). Dabei achtet man auf die Zahl der Samenzellen (mindestens 20 Millionen/ml), ihre Beweglichkeit (mindestens 50% bewegen sich vorwärts, 25% bewegen sich rasch vorwärts) und ihre Beschaffenheit (mindestens 30% sehen „normal“ aus). Da die Samenqualität auch bei normalen Männern enorm schwanken kann, sind unter Umständen zwei Untersuchungen nötig.

Die Eileiter können mit einer speziellen Kontrast-Ultraschallmethode (Hysterosalpingo-Kontrastsonographie) in der Praxis untersucht werden. Dabei wird Milchzuckerlösung in die Gebärmutterhöhle eingespritzt. Diese leuchtet im Ultraschallbild hell auf und strömt, auf dem Videomonitor sichtbar, durch die Eileiter. Bei dieser neuen Methode ist keine Narkose erforderlich; es können lediglich menstruationsähnliche Schmerzen, selten eine kurze Übelkeit auftreten. Die Untersuchung ist normal, wenn an beiden Eileitern eindeutig ein Fliessen des Kontrastmittels erkannt werden kann.

Bei unklarem Resultat oder bei Anhaltspunkten für eine Endometriose, empfehle ich die Bauchspiegelung (Laparoskopie) im Spital (siehe Operation).

Übersicht über die wichtigsten Hormone der Frau

  • GnRH
    Hormon des Zwischenhirns, steuert die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Ist nicht im Blut messbar.
  • FSH und LH
    Hormone der Hypophyse, steuern die Eierstöcke. Eine Erhöhung des FSH zu Zyklusbeginn zeigt ein Nachlassen der Eierstockfunktion an. LH steigt in Zyklusmitte plötzlich an und löst den Eisprung aus.
  • Östrogen
    Haupt-Geschlechtshormon der Frau, wird im wachsenden Eibläschen (Follikel) im Eierstock produziert.
  • Progesteron
    Hormon der zweiten Zyklushälfte, wird im Gelbkörper (Überbleibsel des Eibläschens nach dem Eisprung) des Eierstocks produziert.
  • Prolaktin
    Steuert die Produktion der Muttermilch in Schwangerschaft und Stillzeit. Ausserhalb der Schwangerschaft ist ein Zuviel an Prolaktin schädlich und hemmt den Eisprung. Prolaktin ist ein ausgesprochen stressabhängiges Hormon.
  • Testosteron
    Männliches Geschlechtshormon, welches in kleinen Mengen auch bei der Frau vorhanden ist. Zuviel davon führt zu vermehrtem Haarwuchs, unreiner Haut oder sogar Vermännlichung, zuwenig unter Umständen zu fehlendem sexuellem Verlangen.
  • TSH
    Anderes Hormon der Hypophyse, welches die Schilddrüsenfunktion steuert. Selbst eine subtile, unmerkliche Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse kann den Menstruationszyklus und den Eisprung stören.